CalMag im Indoor-Grow: Wann du es brauchst und wie du es richtig einsetzt
CalMag ist eines der Mittel, das entweder gar nicht gebraucht wird oder ohne das nichts läuft – dazwischen gibt es wenig. Ob du es brauchst, hängt an drei Dingen: deinem Wasser, deinem Substrat und deiner Beleuchtung. Dieser Guide erklärt dir, wie du das für dein Setup beurteilst, statt auf Verdacht zu dosieren.
Was CalMag eigentlich ist
CalMag liefert Calcium und Magnesium, meist ergänzt um Eisen. Beide Nährstoffe stehen in vielen Basisdüngern nur in geringen Mengen, weil die Hersteller davon ausgehen, dass sie ohnehin über Leitungswasser und Substrat kommen. Genau diese Annahme trifft aber nicht auf jedes Setup zu.
- Calcium stabilisiert die Zellwände und wird von der Pflanze kaum umverteilt. Ein Mangel zeigt sich deshalb zuerst an den jungen Blättern.
- Magnesium ist der zentrale Baustein des Chlorophylls. Es ist beweglich, die Pflanze holt es sich aus älteren Blättern – der Mangel zeigt sich also zuerst unten.
Dieser Unterschied ist praktisch nützlich: Wo die Symptome zuerst auftreten, sagt dir bereits, welcher der beiden Nährstoffe fehlt.
Brauchst du CalMag überhaupt?
Die ehrliche Antwort: nicht jeder. Geh die drei Punkte durch.
1. Dein Wasser
Der wichtigste Faktor. Hartes Leitungswasser bringt bereits nennenswerte Mengen Calcium und Magnesium mit – wer hier zusätzlich CalMag gibt, riskiert eher eine Blockade als einen Nutzen. Bei sehr weichem Wasser oder Osmosewasser fehlt dagegen praktisch alles.
Miss den EC-Wert deines Ausgangswassers, bevor du irgendetwas hinzufügst. Die Wasserhärte deines Versorgers findest du außerdem im jährlichen Trinkwasserbericht – der steht bei den meisten Stadtwerken online.
- Osmosewasser: CalMag ist Pflicht. Reines Osmosewasser enthält nahezu keine Mineralien, du baust die Basis komplett selbst auf.
- Weiches Leitungswasser: CalMag ist in der Regel sinnvoll.
- Hartes Leitungswasser: Meist nicht nötig. Erst bei sichtbaren Symptomen nachsteuern.
2. Dein Substrat
- Kokos: Klarer Fall für CalMag. Kokosfasern binden Calcium und Magnesium an ihren Austauschplätzen und geben dafür Kalium ab – die Pflanze kommt anfangs schlechter an beide Nährstoffe heran. Vorgepufferte Kokossubstrate entschärfen das, heben es aber nicht auf.
- Steinwolle: Ebenfalls Pflicht. Das Medium ist inert und liefert nichts von sich aus.
- Hydro und DWC: Pflicht, aus demselben Grund.
- Erde: Meist nicht nötig. Gute Erden bringen einen Vorrat mit und puffern zusätzlich. Bei sehr leichten Substraten oder in späteren Kulturwochen kann es trotzdem knapp werden.
3. Deine Beleuchtung
Unter starkem LED-Licht wächst die Pflanze schneller und verdunstet mehr – der Bedarf steigt entsprechend mit. Das ist kein Effekt des Lichtspektrums, sondern schlicht eine Folge des höheren Umsatzes. Wer von einer schwächeren Lampe auf ein leistungsstärkeres LED-System umsteigt, sieht deshalb manchmal zum ersten Mal Mangelerscheinungen, obwohl sonst alles gleich geblieben ist.
Mangel erkennen
Beide Mängel werden häufig verwechselt, dabei sind sie gut auseinanderzuhalten:
- Calciummangel: Beginnt an den jungen Blättern und Triebspitzen. Kleine braune oder rostfarbene Flecken, verkrüppelte oder verdrehte Neutriebe, gelegentlich absterbende Spitzen.
- Magnesiummangel: Beginnt an den unteren, älteren Blättern. Die Blattadern bleiben grün, während sich das Gewebe dazwischen gelb verfärbt – ein sehr charakteristisches Muster.
Vorsicht vor dem häufigsten Trugschluss: Nicht jede gelbe Verfärbung ist ein Mangel an Nährstoffen. Sehr oft ist der pH-Wert das eigentliche Problem – der Nährstoff ist vorhanden, die Pflanze kommt nur nicht heran. Wer in dieser Situation CalMag nachlegt, verschärft die Lage, statt sie zu lösen.
Richtig dosieren
Es gibt keine allgemeingültige Menge – sie hängt von deinem Wasser, deinem Substrat und dem verwendeten Produkt ab. Die Reihenfolge ist aber immer dieselbe:
- Ausgangswasser messen. EC des reinen Wassers notieren, bevor irgendetwas hineinkommt.
- CalMag zuerst. Bei Osmosewasser wird CalMag vor dem Basisdünger zugegeben. So baust du eine definierte Grundlage auf, auf die der Dünger aufsetzen kann.
- Nach Herstellerangabe dosieren und dabei am unteren Ende anfangen. Die Produkte unterscheiden sich in der Konzentration erheblich – eine Angabe von einer Marke lässt sich nicht auf eine andere übertragen.
- Gut umrühren, dann Basisdünger dazu. Bei Zwei-Komponenten-Systemen A und B immer getrennt einrühren, nie zusammen ins Konzentrat.
- pH zuletzt einstellen. Jede Zugabe verschiebt den Wert – deshalb ist die pH-Korrektur immer der letzte Schritt.
- EC der fertigen Lösung prüfen und mit dem Zielwert deines Düngeschemas abgleichen.
| Calmag Produkte | Dosierung von Calmag |
| Canna CalMag Agent | 0,1-0,5ml pro Liter Wasser |
| Plagron Calmag Pro | 1ml pro Liter Wasser |
| Advanced Nutrients Sensi Cal-Mag Xtra | 2ml pro Liter Wasser |
| Dutchpro Calmag | 01-1ml pro Liter Wasser |
Die fünf häufigsten Fehler
- CalMag bei hartem Wasser. Der Klassiker. Das Wasser bringt schon genug mit, die Zugabe treibt den EC hoch und kann Blockaden auslösen.
- Auf Verdacht dosieren. Ohne pH- und EC-Messung ist jede Korrektur geraten. Beide Geräte gehören zur Grundausstattung, nicht zum Zubehör.
- Konzentrate mischen. CalMag und Basisdünger nie unverdünnt zusammengeben – Calcium fällt mit Phosphaten und Sulfaten aus. Erkennbar an Flocken oder Bodensatz im Kanister.
- pH vor der Zugabe einstellen. Führt dazu, dass der Wert am Ende nicht stimmt. Immer zuletzt.
- Doppelt versorgen. Manche Basisdünger enthalten bereits Calcium und Magnesium in ausreichender Menge. Ein Blick auf die Zusammensetzung spart dir eine unnötige Überdosierung.
Sonderfälle
Bio- und Living-Soil-Anbau
In organischen Systemen arbeitest du nicht über die Nährlösung, sondern über den Boden. Calcium und Magnesium kommen dort aus Gesteinsmehlen, Kalk oder Dolomit und werden vom Bodenleben verfügbar gemacht. Ein flüssiges CalMag passt konzeptionell nicht dazu und kann die Mikrobiologie stören. Wenn in einem Living-Soil-System Mängel auftreten, liegt das Problem meist beim pH oder bei der Bodenaktivität, nicht am fehlenden Zusatz.
Kokos im Detail
Kokos ist der Fall, in dem CalMag wirklich durchgehend gebraucht wird – auch bei vorgepufferten Substraten und auch, wenn keine Symptome sichtbar sind. Hier gilt vorbeugen statt reagieren, weil ein aufgetretener Mangel bei Kokos träger zu korrigieren ist als in Erde.
Blütephase
Der Bedarf verschiebt sich: Kalium und Phosphor steigen an, gleichzeitig konkurriert ein höheres Kaliumangebot mit der Aufnahme von Calcium und Magnesium. In der späteren Blüte kann der CalMag-Bedarf deshalb sogar steigen, obwohl der Gesamtdünger anders zusammengesetzt ist. Wer hier stur die Wachstumsdosierung beibehält, sieht öfter mal Magnesiummangel an den unteren Blättern.
Kurz-Checkliste
- Wasserhärte und EC des Ausgangswassers bekannt?
- Substrat berücksichtigt – Kokos, Steinwolle und Hydro brauchen CalMag, Erde meist nicht?
- Basisdünger geprüft, ob Calcium und Magnesium bereits enthalten sind?
- Reihenfolge eingehalten: CalMag, dann Dünger, dann pH?
- pH-Wert im passenden Bereich für dein Substrat, bevor du auf Mangel schließt?
- Symptome richtig zugeordnet – oben heißt Calcium, unten heißt Magnesium?
- EC der fertigen Lösung gemessen und mit dem Schema abgeglichen?
Fazit
CalMag ist kein Mittel, das man vorsichtshalber mitlaufen lässt. Bei Osmosewasser, Kokos, Steinwolle und Hydro gehört es fest ins Schema. Bei hartem Leitungswasser und guter Erde brauchst du es in den meisten Fällen gar nicht. Miss dein Wasser, sieh dir dein Substrat an – dann hast du die Antwort in fünf Minuten.
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Häufige Fragen zu CalMag
Brauche ich CalMag bei Erde?
In den meisten Fällen nicht. Gute Erden bringen einen Vorrat mit und puffern zusätzlich. Wenn du hartes Leitungswasser verwendest, ist die Versorgung in der Regel ausreichend.
Kann ich CalMag überdosieren?
Ja. Zu viel Calcium und Magnesium treibt den EC-Wert hoch und kann die Aufnahme anderer Nährstoffe blockieren – vor allem Kalium. Das Schadbild ähnelt dann dem Mangel, den du eigentlich beheben wolltest.
CalMag vor oder nach dem Dünger?
Vorher. Besonders bei Osmosewasser: erst CalMag, gut umrühren, dann den Basisdünger, ganz zum Schluss den pH-Wert einstellen.
Warum flockt meine Nährlösung aus?
Meist, weil Konzentrate direkt zusammengegeben wurden. Calcium reagiert mit Phosphaten und Sulfaten zu schwer löslichen Verbindungen. Jede Komponente einzeln ins Wasser einrühren, nie ineinander.
Kann ich Bittersalz statt CalMag verwenden?
Bittersalz liefert nur Magnesium und Schwefel, kein Calcium. Bei einem reinen Magnesiummangel ist es eine Möglichkeit – als Ersatz für CalMag taugt es nicht.
Meine Blätter werden gelb – ist das CalMag?
Nicht unbedingt. Prüf zuerst den pH-Wert. Liegt er außerhalb des passenden Bereichs, kann die Pflanze vorhandene Nährstoffe nicht aufnehmen – zusätzliches CalMag verschlimmert die Situation dann.
Brauche ich CalMag in der Blütephase mehr oder weniger?
Eher mehr. Der steigende Kaliumanteil in Blütedüngern konkurriert mit Calcium und Magnesium um die Aufnahme. Beobachte die unteren Blätter – dort zeigt sich Magnesiummangel zuerst.